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Essay: Begleitung von Psychotikern in Krisen

Samstag, 10. April 2010

Begleitung von Psychotikern in Krisen

In einer akuten Psychose ist der Betroffene nicht mehr in der Lage seine Umwelt richtig zu realisieren. Nahestehende Personen können dann zu den größten Feinden werden, wenn sie falsch mit ihm umgehen. Wenn der Psychotiker Glück hat, fühlt er sich in seiner Umgebung mit den ihm umgebenden Personen wohl. Ist dies der Fall, kann die Krise ohne Medikamente aufgefangen werden, vorausgesetzt, die Nahestehenden kennen sich mit der Krise sehr gut aus. Oft ist das sexuelle Bedürfnis des sich in der Manie Befindenden sehr ausgeprägt und das sollte berücksichtigt werden, indem man dem Psychotiker die körperliche Zuwendung gibt, die er dann braucht. Das muss nicht unbedingt Sex sein. Oft reicht es schon aus, dass er nachts, wenn die Krise meistens ihren Höhepunkt erreicht, nicht alleine gelassen wird und körperliche Zuwendung findet in Form von in-den-Arm-nehmen oder Streicheleinheiten. Da der Betroffene große Probleme hat, in den Schlaf zu finden, wird ihm diese Zuwendung sehr von Nutzen sein, auch wenn er dann nur zwei oder drei Stunden schläft. Wichtig ist auch, das die betroffene Person rundum versorgt wird und sich um nichts kümmern muss, was Kochen oder Haushalt betrifft. Da sie oft unter Appetitlosigkeit leidet oder den Hunger übergeht, ist es wichtig, das man ihr wertvolle Kost, lecker angerichtet, vorsetzt, damit sie etwas isst. Beruhigungstees, nicht zu viel Kaffee und Zigaretten und eine stressfreie Umgebung, bringen den aufgewühlten Körper und Geist wieder etwas mehr ins Gleichgewicht. Vor allem und das ist mit das Wichtigste, sind Gespräche. Solange der Psychotiker noch über seine Welten offen reden kann, ist vieles gewonnen. Viele verschließen sich irgendwann und es besteht nicht mehr die Möglichkeit richtig auf ihn einzugehen. Dem sollte vorgebeugt werden, damit er alles aus sich herauslassen kann und das Vertrauen nicht verliert, bzw. sich ganz in seine Welt verschließt. Wenn es gelingt, die Kommunikation am Laufen zu halten, ist Hilfe erst richtig möglich. Dann ist es nämlich machbar, den Psychotiker von irgendwelchen abdriftenden Gedankenflügen noch mal auf den Boden zu holen. Geduld und viel Liebe sind gefragt, den Betroffenen durch eine Krise zu führen. Irgendwann nach viel Arbeit und Mühe wird auch dieser wieder in den Schlaf finden und langsam spüren, dass seine Krise am Abklingen ist.